Über die Produktion ![]()
Es war einmal in Deutschland: genauer gesagt im Frühjahr 1945; zu dieser Zeit spielt der unterhaltsame Actionfilm Blood & Gold. Regisseur Peter Thorwarth und Drehbuchautor Stefan Barth erzählen die Geschichte von dem Soldaten Heinrich und der Bäuerin Elsa, deren Wege sich auf Umwegen kreuzen und die schließlich unfreiwillig in die Goldschatzsuche eines Dorfs und einer SS-Truppe geraten – dabei wollten sie doch eigentlich nur sich und ihre Familien beschützen.
Es war einmal ein Goldschatz: Im September 2021 trafen sich Peter Thorwarth und Christian Becker mit Sasha Bühler und Lars Wiebe von Netflix, um den gemeinsamen Erfolg ihres Films Blood Red Sky zu feiern. Der actionreiche Thriller hatte sich seit seinem Streaming-Start wenige Wochen zuvor in den Netflix Charts gehalten, in 57 Ländern war er die Nummer eins, unter anderem in den USA, Brasilien und den Philippinen. Bei diesem Treffen erzählte Thorwarth auch von seinen Plänen zu Blood & Gold, der sich ähnlich wie der Vorgängerfilm nicht auf ein einzelnes Genre festlegen lassen sollte. Oder wie die Ausführende Produzentin des Films, Almara Palacios, sagt: „Blood & Gold verbindet Unterhaltung mit einem Thema, das sonst eher von der ernsthaften und dramatischen Seite angefasst wird.“ Die Netflix-Verantwortlichen waren begeistert, auch die Geschichte des Films und das Motiv der Goldsuche gefiel ihnen. Danach sei alles sehr schnell gegangen, erzählt Palacios: „Fünf Monate später haben wir bereits gedreht.“
Es war einmal in Tschechien: „Sonnenberg“ steht auf dem Ortsschild. Es ist der Name des Dorfs, in dem diese Geschichte spielt. Gedreht wurde in der tschechischen Kleinstadt Výsluní: Dort fand das Filmteam ideale Bedingungen, es gibt einen historischen Ortskern und eine ehemalige Kirche, in der das Filmteam drehen durfte. Und da Výsluní früher einmal Sonnenberg hieß, heißt der Ort auch im Film so. Heute sieht es dort trotzdem anders aus als vor 80 Jahren: Die Filmausstatter*innen haben also den Ort „rückverwandelt“, unter anderem entfernten sie Schilder oder verlegten Kopfsteinpflaster-Matten. Den Bauernhof der weiblichen Hauptfigur Elsa ließen sie aus Logistik- und Sicherheitsgründen sogar nachbauen. „Wir waren nur zwei oder drei Tage im Studio in Prag“, erzählt Hauptdarsteller Robert Maaser. „Die restliche Zeit drehten wir on location, wir waren fast immer draußen – bei jedem Wetter.“
„Es war einmal in Deutschland“: So lautete der Arbeitstitel von Blood & Gold. Denn auch wenn die Produktion des Films vergleichsweise schnell ging und die Macher*innen in Tschechien ideale Bedingungen vorfanden, hat er eine lange Vorgeschichte. Im Jahr 2006 schrieb Stefan Barth die erste Drehbuchfassung und zeigte sie Peter Thorwarth. „Ich war sofort Feuer und Flamme“, sagt dieser. Ihm gefiel die Story, die unterhaltsam war, gleichzeitig aber auch die Absurdität des Kriegs vergegenwärtigte: „Man kann das eigentlich gar nicht besser darstellen, als wenn ein Deutscher gegen Deutsche kämpft.“ Sie hätten aber großen Respekt vor dem Thema gehabt, gesteht Thorwarth. Also sprachen sie mit einem Historiker über diesen Stoff. Der Regisseur wusste auch, mit wem er das Buch verfilmen wollte: Mit dem Produzenten Christian Becker verbindet ihn eine lange Freundschaft, die beiden lernten sich in den Neunzigerjahren beim Studium an der HFF München kennen und arbeiten seitdem regelmäßig zusammen.
Es war einmal ein Film, der seiner Zeit voraus war: Auch Becker war begeistert von Blood & Gold (bzw. damals noch „Es war einmal in Deutschland“). Als Vorbilder hatten sie amerikanische Action- und Abenteuerklassiker aus den Sechziger- und Siebzigerjahren im Kopf. Als eine Art „Wellenbrecher“ sahen sie Quentin Tarantinos Film Inglourious Basterds (2009), der sehr unkonventionell und unterhaltsam eine Geschichte aus dem Krieg erzählt – und so (neben anderen Filmen) Einfluss auf Blood & Gold hatte, erinnert sich Thorwarth. „Er wurde zwar von keinem Deutschen gemacht, hat uns aber Wege eröffnet. Ohne ihn wäre unser Film vermutlich nicht möglich gewesen“, erklärt er. Im Jahr 2006 klappte die Finanzierung aber noch nicht.
Es war einmal der richtige Moment: Nachdem klar war, dass er Blood & Gold so nicht machen konnte, wandte sich Peter Thorwarth anderen Projekten zu. Vergessen hat er den Film aber nie. Auch Beckers Firma Rat Pack Filmproduktion hielt daran fest. Almara Palacios, die Blood & Gold über mehrere Jahre begleitete, sagt dazu: „Nicht aufzugeben und an Projekte zu glauben, bis der richtige Moment und der richtige Partner kommt, ist einfach essenziell.“ In diesem Fall waren es eben 15 Jahre. Das ist selbst für die Filmbranche eine lange Zeit – und trotzdem keine Seltenheit: Auch Blood Red Sky blickt auf eine ähnlich lange Vorgeschichte zurück. Genrefilme aus Deutschland hatten zwar stets einen guten Ruf, ließen sich für den nationalen Kinomarkt aber kaum realisieren. „Netflix hat dieses Potenzial erkannt“, so Palacios. Barth und Thorwarth modernisierten das Drehbuch, sie veränderten das Ende, erzählten diverser und gaben den Frauenfiguren ein anderes Gewicht.
Es waren einmal viele Schauspielerinnen und Schauspieler: Mit Alexander Scheer hatte Peter Thorwarth schon bei Blood Red Sky zusammengearbeitet, ihn wollte er unbedingt für die Rolle des verunstalteten SS-Anführers von Starnfeld haben. Und Scheer sagte zu. Florian Schmidtke war ebenfalls in einer kleinen Rolle in Thorwarths vorherigem Film zu sehen, jetzt spielt er den SS-Mann Dörfler. Selbst die Hauptdarstellerin hatte etwas mit Blood Red Sky zu tun – auch wenn sie nicht mitspielte: „Beim Casting war ich in der engeren Auswahl“, erzählt Marie Hacke, „dabei hätte ich beinahe abgesagt, da es mir am Tag des Castings wirklich schlecht ging. Wie sich später herausstellte, war ich schwanger.“ Aus der Rolle in Blood Red Sky wurde also nichts, doch der Regisseur erinnerte sich an Marie Hacke und lud sie für Blood & Gold erneut zum Vorsprechen ein. Und dieses Mal klappte es, sie bekam die Rolle. Die Suche nach dem perfekten Heinrich dauerte aber etwas länger.
Es war einmal ein Actionheld: Mit rekordverdächtigen 14 Weltmeistertiteln im Rhönradturnen war Robert Maaser der erfolgreichste Athlet in dieser Sportart. Bereits während seiner aktiven Sportkarriere sammelte er Theatererfahrungen und ließ sich zum Schauspieler ausbilden. Auch aufgrund seiner Konstitution war er bald ein gefragter Mann im Actionfach, in deutschen Fernsehproduktionen und internationalen Kinofilmen. Die Rollen wurden größer, unter anderem spielte er in den Netflix Serien Tribes of Europa und Barbaren. Beim Casting zu Blood & Gold sprach er für die Rolle des Gegenspielers Dörfler vor. „Dann sagte Peter Thorwarth zu mir, dass er mich auch gern in der Rolle des Heinrich sehen würde“, erinnert sich der Schauspieler. „Das fand ich großartig, weil mich diese Rolle noch mehr faszinierte. Ich mag Action wirklich gern, als Schauspieler interessieren mich aber auch noch andere Sachen – und hier konnte ich das perfekt verbinden.“ In Blood & Gold spielt Robert Maaser seine erste Hauptrolle.
Es war einmal eine Actionheldin: Dem Regisseur war es wichtig, dass die Action in dem Film „handgemacht“ aussieht. „Wir hatten Lust, alles selbst zu machen“, sagt Robert Maaser, „ungefähr 95 Prozent der Stunts haben wir selbst übernommen.“ Er trainierte wochenlang mit Florian Schmidtke, der die Rolle des Gegenspielers Dörfler spielt und mit dem er seit den Dreharbeiten von Barbaren befreundet ist. Nur vereinzelte Stunts durften sie aus Versicherungsgründen nicht selbst absolvieren. Marie Hacke hatte ebenfalls große Lust auf die Stuntarbeit. „Auch wenn ich manchmal schon komplett fertig war, während Robert gerade erst angefangen hat“, räumt sie lachend ein. Eine Figur wie Elsa habe sie schon immer spielen wollen, erzählt sie. Vor allem, weil die Frauen etwa in der Mitte des Films noch einmal richtig aufdrehten. „Solche Rollen gibt es viel zu wenig“, sagt Hacke. „Und wann darf man schon einmal mit einer Panzerfaust jemanden von einem Kirchturm ballern? Das macht einfach riesengroßen Spaß.“